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Aktuelles

Wie finden eigentlich neue Mitglieder den Weg zum Aktivsenioren Bayern e.V., was können sie dort bewegen und welche Erfahrungen machen die Newcomer in diesem Verein? Diesen Fragen ist die frühere Focus-Redakteurin Meike Grewe in drei Fallbeispielen auf den Grund gegangen.

Wenn die Chemie stimmt und der Funke überspringt, dann kommt man auch schnell miteinander ins Gespräch. Die Themen der Aktivsenioren sind so vielfältig wie ihre Mitglieder - und die sind die Sparringspartner ihrer Klienten.

Die Ehrenamtlichen des Aktivsenioren Bayern e.V. unterstützen nicht nur junge und ältere Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit, sie gehen auch aktiv auf neue Mitglieder zu. Etwa auf der jährlich stattfindenden Münchner FreiwilligenMesse im Gasteig. So wird es am 26. Januar dort wieder einen Stand der Aktivsenioren (AS) geben - mit Informationen für alle, die ihre Berufs- und Lebenserfahrung zur Verfügung stellen wollen. Menschen wie Claudia Merz, die sich 2019 auf der Messe von der ehrenvollen Arbeit des Vereins überzeugen ließ.

Die ehemalige Nokia-Managerin suchte eine Tätigkeit, in der sie ihre internationale Erfahrung sinnvoll einbringen kann, aber auch Neues lernt. Und das bieten ihr die Aktivsenioren: „Hier wird zusätzliche Weiterbildung angeboten“, berichtet die 62-Jährige. „Es gibt Vorträge und Workshops, etwa zum Thema Digitalisierung.“

Die geborene Norddeutsche wuchs in Skandinavien auf, studierte Lehramt und danach BWL. Eine Kombination, die sich in ihrem Beruf auszahlte und nun den Klienten der Aktivsenioren zu Gute kommt. „Ich habe gelernt Fragen zu stellen, Dinge schnell zu analysieren und auf den Punkt zu bringen.“ Merz weiß was zu tun ist, wenn ein Projekt in Schieflage gerät. Welche Ansprüche man stellen kann - und wie man diese durchsetzt. „Ich bin zwar blond und habe blaue Augen, aber blauäugig bin ich ganz sicher nicht“, erzählt die Wahl-Münchnerin und lacht.

Seit April 2019 ist sie als Aktivseniorin tätig. Ihre ersten beiden Aufträge empfand Merz zunächst als „nicht so prickelnd“. Sie startete als Co-Beraterin mit erfahrenen Kollegen, nur leider mussten sie den Klienten erklären, dass deren Geschäftsvorstellungen nicht tragfähig sind. Bei fast 1000 Beratungs- und Coachingaufträgen, die die Aktivsenioren 2019 bewältigt haben, kann nicht jede Idee zum Erfolg führen. Aber der Verein ist auch im Bildungsbereich sehr aktiv. So werden Mittelschüler der achten und neunten Klassen mit einer Art Mentorenprogramm unterstützt. „Da möchte ich unbedingt reinschnuppern“, so Merz.

Doch der überwiegende Teil der AS-Klienten sind Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen möchten und einen Gründungszuschuss beantragen wollen. „Das macht zirka 50 Prozent unserer Arbeit aus“, erklärt Gerd Bräunig, Aktivsenior seit 2017. „Die Arbeitsagentur ist recht dankbar, wenn wir über die Anträge schauen, sie kommentieren, eine Tragfähigkeitsbescheinigung erteilen oder eben nicht.“ Eine Qualifikation, die den Verein zu einem gefragten Partner der Behörde macht.

Im Wesentlichen sind dies Menschen in den Fünfzigern, die aus Unternehmen ausscheiden und sich selbstständig machen wollen, aber auch Berufsanfänger. Die Bandbreite der Gründungsideen ist groß: Sie reichen von A wie Ananas-Import über S wie Schuldnerberatung bis Y wie Yoga-Studio.

Bräunig selbst kommt aus der Luft- und Raumfahrttechnik. Zuletzt war er Standortleiter bei der OHB in Oberpfaffenhofen. Momentan berät er einen Rechtsanwalt, der sich niederlassen möchte und zuvor lange Jahre im Bankenbereich tätig war. Für den gelernten Juristen Bräunig eine interessante Aufgabe. Ebenso wie die Beratung der jungen Leute, die qualitativ hochwertige Ananasfrüchte von der Elfenbeinküste importieren und verkaufen wollten. „Es ist einfach interessant, welche Themen auftauchen. Auch wenn man sich ab und an fragt, wie eine Idee funktionieren kann“, sagt Bräunig.

Letztendlich geht es um Einkommen. Nur wer seinen Markt kennt, kann auch den eigenen Marktwert bestimmen. Für Bräunig ist das persönliche Kennenlernen dabei äußerst wichtig. So weiß man wie jemand tickt, wie er sich darstellt. Denn so stellt er sich auch seinen Kunden dar. „Eigentlich geht es darum, eine Art Sparringspartner für die unterschiedlichsten Dinge zu sein“, so Bräunig.

Die unvoreingenommene, aber auch kritische Distanz, mit der er den Klienten gegenüber tritt, bringt diese weiter. Und auch Bräunig lernt sehr gern dazu. Anfangs wurde dem 67-Jährigen ein erfahrener Vereinskollege als Pate zur Seite gestellt. Er nahm an Workshops für Neumitglieder teil und begrüßt noch heute die Vielzahl von Tools, die die Bearbeitung von Aufträgen erleichtern.

Bräunig kam ebenfalls über eine FreiwilligenMesse zu den Aktivsenioren. Er wollte nach Ende der Berufstätigkeit sein Wissen weitergeben an Menschen, die es brauchen können. Er suchte eine Tätigkeit, die zu seinem Tagesablauf passt aber nicht in eine Vollbeschäftigung mündet. So hat er noch Zeit für weitere Ehrenämter, etwa dem des Handelsrichters. „Schließlich möchte ich meine Zeit genießen und frei einteilen können.“

Ganz ähnlich sieht das Stefan Kurz aus Herzogenaurach. Der 62-Jährige stieg 2018 bei Adidas aus. Er hörte sich um bei Menschen der Generation 60plus, die mit eigenen Ideen neu starteten: „Alle diese ausscheidenden Jahrgänge erzählen ja eine ähnliche Geschichte: Die wollen nicht auf dem Sofa sitzen. Ich auch nicht. Ich brauche etwas für den Kopf.“ Von einem Experten für Unternehmungsgründungen hörte Kurz von den Aktivsenioren, seit Mai vergangenen Jahres ist er nun einer von ihnen. Zwei aktive Mandate hat Kurz zur Zeit: Eine Geschäftsnachfolge, die quasi in eine Neugründung mündete, steht kurz vor dem erfolgreichen Abschluss.

Ein Coaching-Mandat befindet sich in der Startphase. „Ich habe fast die ganze Palette der Beratung durchspielen können“, erzählt der Marketing-Experte, „und dabei noch einiges gelernt“. Ihm ist wichtig, gegenüber seinen Klienten nicht als arroganter Konzernmanager aufzutreten, der schon alles gesehen hat. Ein Handwerker hat nicht die vielfältige Manpower eines Konzernlenkers, er muss selbst ganzheitlich denken und ist somit zutiefst unternehmerisch tätig. „Davor habe ich den höchsten Respekt“, erklärt Kurz und wünscht so manchem Manager in großen Firmen eine ähnliche Denkweise.

Der Name ´Aktivsenioren` wird der anspruchsvollen Tätigkeit nicht ganz gerecht. Er ist ein wenig missverständlich, da sind die Drei sich einig. Schließlich handelt es sich nicht um einen Nordic-Walking-Verein. Ingenieure, Juristen, Techniker, Wissenschaftler, Kaufleute, Marketingexperten kommen hier zusammen um Menschen voranzubringen. Das versammelte Know How ist nicht nur eine gute, sondern auch eine günstige Quelle: „Hier gibt es erstklassige Beratung für wenig Geld. Die Mitglieder sind hochqualifiziert und kommen aus den unterschiedlichsten Leitungsfunktionen. Das ist nicht 08/15“, erklärt Claudia Merz.

Auf diese Erfahrungshintergründe würde die Ex-Nokia-Managerin gern schneller und gezielter zugreifen können. Gerade 2019 ist eine Vielzahl neuer Mitglieder dazu gekommen. „Die großen Unternehmen spucken die Babyboomer aus“, sagt Stefan Kurz. Die Senioren verjüngen sich. Wer neu dazu kommt, kann sich mit einem erfahrenen Berater zusammentun und ein Projekt gemeinsam bearbeiten. Aber Eigeninitiative bleibt ein wichtiges Kriterium. „Es ist wie im Leben: wenn man was nicht weiß, muss man fragen“, erläutert Merz. Sie möchte die Kommunikation der Mitglieder untereinander noch weiter verbessern und auch bei Projekten mehr auf Teamwork setzen, um die Stärken der Einzelnen so gezielter einzubringen.