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Aktuelles

An der Fachschule für Gartenbau in Landshut bereiten Aktivsenioren die angehenden Garten- und Landschaftsbau-Meister mit einem Businessplan-Workshop auf Betriebsgründung oder -übernahme vor.

Wie wichtig ein fundierter Businessplan ist weiß Erwin Reißner aus eigener Erfahrung. Vor fünf Jahren hat der heute 29-jährige Meister für Garten- und Landschaftsbau (kurz: Galabau) in Zwiesel seinen Fachbetrieb gegründet. Sein Bruder, ein Geselle und im Büro seine Frau waren die ersten Mitarbeiter – jetzt sind es mit ihm 14. „Ich hatte gerade mal 5.000 Euro Eigenkapital und keine Kreditsicherheiten, aber mein Businessplan hat die Bank überzeugt“, sagt Reißner.

Er war einer der ersten, die am Businessplan-Workshop der Aktivsenioren Niederbayern teilnahmen. Der Kurs ist seit einigen Jahren Teil der zehnmonatigen Galabau-Meisterlehrgänge an der Fachschule für Gartenbau in Landshut. Betreut wird die Lehrveranstaltung jeweils von drei Aktivsenioren. Einen ersten Geschäftsplan hatte Reißner schon vorher erstellt, dennoch half ihm der Workshop weiter: „Ich habe gemerkt, dass ich noch an einigen Stellschrauben drehen musste, und den Businessplan daher noch einmal komplett überarbeitet. Besonders wertvoll waren dabei die Anregungen und kritischen Nachfragen der Aktivsenioren.“

In diesem kompetenten Feedback sieht auch Hermann Simma, Lehrer für Betriebswirtschaft und Rechnungswesen an der Fachschule und Initiator des Businessplan-Kurses der Aktivsenioren, den entscheidenden Nutzen für die angehenden Gründer und Übernehmer unter den künftigen Galabau-Meistern. Die anderen Teilnehmer können dabei ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse an einem konkreten Beispiel vertiefen – sie arbeiten in der Gruppenphase an jeweils einem der vier bis fünf Businesspläne mit, die in jedem Kurs erstellt werden.

Der auf drei Nachmittage verteilte Workshop ist klar strukturiert: Am ersten Tag stellen die Aktivsenioren ihre Arbeit vor und geben eine Einführung in das Thema. Etwa drei Wochen später steht die Investitions- und Finanzplanung im Fokus. „Vorab sollten sich die potenziellen Existenzgründer schon mal Gedanken über Markt, Wettbewerb und die notwendigen Investitionen machen und sich über die Kosten informieren“, erklärt Jürgen Zwafink, einer der beteiligten Aktivsenioren. „Für Betriebsübernehmer, meist Nachfolger, ist es sinnvoll, ihren Businessplan (einschließlich Finanzplan) auf den realen Geschäftsdaten aufzubauen.“ Am Finaltag schließlich präsentieren die Teilnehmer, die sich selbst im Galabau selbständig machen oder einen Betrieb übernehmen wollen, die inzwischen ausgearbeiteten Businesspläne und stellen sich dem Urteil der Profis.

Welche Stärken und Schwächen hat der Businessplan? Ist das Geschäftskonzept tragfähig oder eher Wunschdenken? Ist das angestrebte Alleinstellungsmerkmal wirklich so einzigartig? Geht die regionale Markt- und Wettbewerbsanalyse tief genug? Sind die vorgesehenen Marketingaktivitäten sinnvoll und reichen sie aus? Sind bei einer Betriebsübernahme alle wesentlichen (Knack-)Punkte berücksichtigt, zum Beispiel auch die Verpflichtungen aus Verträgen, Pachten und Personal? Wie realistisch ist die Finanzplanung? Sind auch die Lebenshaltungskosten einkalkuliert und Absicherung und Vorsorge berücksichtigt?

Das sind wesentliche Aspekte, auf die das Aktivsenioren-Trio achtet: Roland Niederhagen, der im internationalen Management tätig war und Hightech-Startups betreut hat, Jürgen Zwafink, der ebenfalls Erfahrungen aus dem internationalen Management und dazu als Unternehmensberater mitbringt, und Hermann Plankl, der im Vorstand einer Bank für das Firmenkundengeschäft verantwortlich war.

Selbst bei einem bis ins Detail durchdachten und ausgefeilten Businessplan mit konsequenter Qualitäts- und Kundenorientierung wie dem des 21-jährigen Markus Lackner entdecken die drei einen bedenkenswerten Kritikpunkt. Lackner, der 2020 als Gründer durchstarten will, ist dafür dankbar: „Jetzt weiß ich, wo ich noch nachjustieren muss. Insgesamt habe ich aber nach dem Feedback ein gutes Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“